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Gebrauchte Klaviere3 Artikel

Jeder Gebrauchtkauf ist Vertrauenssache! Aber: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser!


Generell spricht nichts gegen den Kauf eines gebrauchten Pianos; allerdings muss das Modell natürlich in einem guten Zustand sein, und dies ist als Laie schwer zu beurteilen.

Beim guten Klavierfachhändler bekommen Sie eine (in der Regel dreijährige) Garantie, dass technisch wie inhaltlich alles in Ordnung ist, beim Kauf von Privat ist es da schon schwieriger.
Vertrauen Sie nicht ungeprüft Aussagen wie: das Instrument haben wir vor 10 Jahren für viel Geld überholen lassen/ das muss nur gestimmt werden/ da hat ja praktisch niemand drauf gespielt/ unser Klavierlehrer sagt, das wäre ein tolles Instrument, usw.)!
Ein altes "Schätzchen" aus dem Internet für wenig Geld (oder gar zur kostenlosen Abholung) ist zwar verlockend; wir raten aber dringend davon ab (gerade für den Anfänger!), da diese Instrumente meistens nicht mehr vernünftig spielbar oder zu stimmen sind. Sonst würde man dieses Piano ja nicht für wenig Geld oder umsonst weggeben. Der wahre Grund dafür ist meistens, dass man sich die mehrere hundert Euro teure Abholung und Entsorgung sparen möchte.

Ein gerissener oder ausgeleierter Stimmstock, ein spannungsloser Resonanzboden, ein Haarriss in der Gussplatte, von Motten oder Mäusen zerfressene Filze; all dies macht ein Piano unbrauchbar und zum Totalschaden.
Und Klaviere mit einer Oberdämpfer-Mechanik und/oder einem Holz- statt einem gusseisernen Rahmen gehören sowieso in die "Mülltonne"!

Für die Freude am Klavier, für die Motivation zum Üben, geschweige denn einem gezielten Unterricht sind diese 60 bis 130 Jahre alten Instrumente also nicht mehr zu gebrauchen.
Leider können auch die Klavierpädagogen (wenn sie nicht zufällig auch Klavierbauer sind) meistens nicht beurteilen, ob das Instrument technisch in Ordnung ist und auch die nächsten Jahre bleiben wird.

Welche Gebrauchte Klaviere kann man kaufen?


Achten Sie darauf, dass das Instrument höchstens 50 Jahre alt ist: Seitdem hat sich die Stimmhaltung der Klaviere durch den Einsatz von Multiplex im Stimmstock wesentlich verbessert!
Nehmen Sie am Besten einen Fachmann (also einen Klavierbauer) mit, er kann den Zustand des Instruments wirklich beurteilen.
Es sollte auch unbedingt eine Marke sein, dann sind auch 40 Jahre, wenn es gepflegt und regelmäßig gewartet wurde, kein Problem (z.B.: Bechstein, Blüthner, Bösendorfer, Feurich, Grotrian Steinweg, Hellas, Ibach, Kawai, Pfeiffer, Sauter, Schiedmayer, Schimmel, Seiler, Steingraeber, Steinway, Yamaha).

Wann lohnt eine Überholung des alten Klaviers?


Eine komplette Überholung kostet meistens mehr als ein neues Markenklavier.
Dies liegt an der Tatsache, dass jedes Piano zigtausend Bauteile hat, man alles zerlegen, erneuern und wieder zusammenbauen muss. Und es kann sein, dass sich der gewohnte Klangcharakter völlig verändert hat, das kann man schlecht vorhersagen oder beeinflussen, die Bauteile haben sich schließlich auch verändert.
Es lohnt sich zum Beispiel dann, wenn es Ihr, zwar in die Jahre gekommenes, aber gewohntes und bewährtes Instrument ist, wenn die Kosten einer Überholung überschaubar sind oder es ein Erb- oder Erinnerungsstück eines geliebten Menschen ist.

Noch einmal einige Punkte grob zusammengefasst:


Eine gute Stimmhaltung ist das allerwichtigste; das heißt, die Wirbel müssen fest im Stimmstock sitzen, ansonsten kann der Klavierstimmer das Instrument nicht mehr stimmen und das Instrument ist dadurch unbrauchbar.
Die Mechanik und die Tastatur müssen gleichmäßig und sauber "laufen", sonst kann man nicht vernünftig spielen. Da darf nichts klappern oder wackeln; die Tasten müssen gleichmäßige Abstände haben und die Hämmer in "Reih und Glied" stehen!
Die Hammerköpfe dürfen nicht abgespielt sein, ebenso die Dämpferfilze und alle anderen Filze der Mechanik, sonst ist kein gleichmäßiges Klavierspiel möglich.
Es darf an sämtlichen Metallteilen (Saiten, Wirbel, Achsen, Lisenen, Agraffen usw.) kein Rost sein!
Der Klangkörper; im Besonderen der Resonanzboden, darf keine Risse oder sonstige Beschädigungen haben, sonst klingt das Klavier nicht und Töne sind scheppernd und undifferenziert.
Die Gussplatte muss intakt und ohne Schäden sein, sonst hält ein Klavier nicht die Stimmung und ist damit unbrauchbar.
Die Klangqualität und der Klangcharakter müssen angenehm und gleichmäßig sein, sonst macht es einfach keinen Spaß, sich ans Instrument zu setzen.
Nicht zuletzt sollte die Optik ansprechend sein - bedenken Sie, dass es auch ein Möbelstück ist!