Der Ibanez Standard Talman TMB500-MFT Metallic Forest präsentiert sich als absoluter Allrounder für eine Vielzahl möglicher Sounds. Der im charakterstarken Talman-Design gebaute Viersaiter besteht aus einem Okoume-Korpus mit angeschraubtem Hals aus geröstetem Ahorn (Roasted Maple) und bietet den vollen Sound zweier Nordstrand CMD J und CMD P Tonabnehmer. Das passive PJ-Setup wird über einen gemeinsamen Volume-Regler mit zusätzlichem Balancer geregelt und kann über die aktive Ibanez-Elektronik mit 2-Band EQ in den Bässen und Höhen verstärkt oder abgesenkt werden. Auch traditionellere Passiv-Klänge sind dank schaltbarer Elektronik problemlos möglich. Hierbei agiert der Treble-Regler als klassische Höhenblende. Ansonsten kommt mit einer Ibanez B10 Brücke und soliden Druckgussmechaniken hochwertige hauseigene Hardware zum Einsatz.
Ibanez XX Talman TMB500-MFT Metallic ForestIch hatte eigentlich "nur" einen Fünfsaiter mit SplitCoil-PU am Hals gesucht und wollten keinen reinrassigen Precision-Bass dazu verwenden. Ich hatte vor einiger Zeit bei einem Ibanez-Showroom einen TMB2000 und einen TMB605 angespielt und war von beiden sehr angetan. Per Zufall hatte ich jetzt den TMB505 beim Store im Webshop entdeckt, nachdem der ursprünglich von Ibanez nur für USA gelistet war.
Bestellt und vor Ort abgeholt.
Anmerkung zur Optik: die "Röstung" des Halses fällt in natura weitaus dunkler aus als auf den Bildern (wie man auch bei talkbass lesen kann, ist das wohl der Normalfall). Weisse Dots wären deshalb zur Orientierung besser als schwarze gewesen, bei wenig Licht sollte man sein Griffbrett also schon kennen ;) .
Der Hals ist kein Rennhals, der TMB geht dort eher traditionelle Wege. Aber wie bei Ibanez üblich sind alle Radien gut auf der Herstellerseite beschrieben, man weiss also vorher was man bekommt. Auf jeden Fall "hat man was in der Hand". Der Bass neigt Jaguar-bauformbedingt zum Neckdive. Da werden auch leichtere Mechaniken nix groß ändern können. Wer da empfindlich ist sollte um diese Bauform aber grundsätzlich einen Bogen machen.
Die Elektronik ist gut ohne merkbare Nebengeräusche - und so ausgelegt dass man mit jeder Potistellung etwas anfangen kann.
Sogar der Pickup-Blendregler hat nicht nur eine On/Off-Funktion wie bei vielen anderen Werkselektroniken sondern lässt wirklich feine Dosierungen zu. Anmerkenswert: im passiven Betrieb hat der Höhenregler die Funktion einer passiven Höhenregelung, was praxisnah durchdacht ist. Was mir allerdings etwas weniger gefallen hat war dass die Doppelstockpoties beide leicht verbogen waren und dadurch die oberen Poties des Stacks leicht schräg sitzen. Einzelfall?
Zum Klang: der TMB505 ist klar vintage-orientiert, dass liegt eben an der PU-Bestückung: Nordstrand bzw. Nordstrand-designte SingleCoils. Womit der Bridge-PU auch einstreuungsempfindlich ist, aber bei dem Preis kann man auch die "grossen" Vertreter von Nordstrand erwarten. Wer mit dem TMB Rockmusik macht pfeift da eh' drauf... Der Gesamtsound ist durchaus holzig, wenn auch nicht so stark wie bei z.B. der BTB-Serie. Dafür kann der TMB ziemlich aggressiv wenn man möchte. Und der Bridge-PU alleine macht auch einen guten Eindruck - wenn man die Höhen etwas raus nimmt wird es sogar knurrig. Die Nordstands geben die Frequenzen schön gleichmässig und ausgewogen weiter, sowohl aktiv als auch passiv. Zwischen aktiver und passiver Nutzung ist schon ein gewisser Klangunterschied spürbar, passiv eben einen Tick spritziger. Aber das ist auch bei den meisten anderenWerkselektroniken so.
Wo setzt man einen TMB ein?
Ich würde ihn in der Rock-(!)/Blues- und Jazz(!)-ecke sehen - der TMB505 ist kein Tappingknecht oder Slapmonster. Höhen dazu bringt er zwar genügend mit aber das ultracleane und die fast-as-you-can-Attitüde sind nicht sein Schwerpunkt. IMHO latürnich!
Ist der TMB505 (genau dieser!) ein Einsteigerbass? Das würde ich eher verneinen. Man sollte schon eine gewisse Erfahrung mitbringen um alleine die PU-Höhen für sich einzustellen und auf die Elektronik abzustimmen. Da geht soundmässig erheblich mehr mit den Nordstrands als das Werkssetting liefert. Ausserdem hat der Fünfsaiterhals eben schon eine gewisse Masse die umgriffen und gehalten werden will.
Wenn man aber weiss wofür man den TMB505 einsetzen will dann könnte der Bass den Besitzer lange begleiten. Für mich deckt der TMB "eine ganze Band" ab ohne dass ich mehrfach die Bässe wechseln muss um geforderte Sounds abzudecken.
Der bleibt ;-)